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Sonntag, 29. Juli 2018

Blutmond und die Zahl 42


Blutmond - 27./28.07.2018 -
Pünklich zum Start der Mondfinsternis zog sich rings um Leipzig der Himmel zu und schickte Blitz und Donner. Wochenlang ertrugen wir die Gluthitzen-Folter und nun sollte uns der Blick auf das Jahrhundertereignis durch ein Gewitter madig gemacht werden?! Nicht mit uns. 






Finsternis, Mücken und ein Mord

 

Trotz Nieselregen und wolkenverhangenem Himmel stapften wir mit Mann und Maus (sprich: mit Kind und Dackel) nach dem Abendessen zum Markkleeberger See und richteten unseren Beobachtungsposten ein: Decke, Liegestuhl, Picknickkorb, Taschenlampe. Das Wasser war lauwarm und so klar wie das meiner Wanne, wenn ich den Badezusatz vergessen hatte. Die untergehende Sonne verwandelte die Wolken in Goldschleier.

Kaum am See angekommen ließ der Regen nach. Dafür stiegen tausende Mücken aus den feuchten Wiesen auf. Wir wehrten uns mit Handtüchern, Mückenspray, Zigarrettenqualm und Klatschen. Unser "Applaus" animierte offenbar die Wolken, sich zu verflüchtigen und den Mond endlich preiszugeben. Um Punkt 22.22 Uhr sahen wir unseren Trabanten in roter Pracht am Nachthimmel, diagonal flankiert vom ebenfalls rötlich schimmernden Mars.


Was für ein Ereignis! Sogar eine Sternschnuppe und die ISS konnten wir sehen (na gut, letztere sehen wir andauernd als Lichtpunkt am Nachthimmel wandern). Anderthalb Stunden starrten wir den ziemlich plastisch wirkenden roten Punkt an, hörten chillige Musik, aßen, tranken, rauchten und klatschten. Dann wurde es uns zu viel. Wir traten den Heimweg an, als der linke Rand des Mondes anfing zu glitzern. Die Rückverwandlung Blutmond - Sichel - Halbmond - Vollmond passierte erstaunlich fix.


42 - die Antwort ?!

 

Juhu - wir waren dabei und haben den blöden Blutmond sogar fotografiert. Die nachhaltigste Erinnerung an das Event durfte ich allerdings heute nachmittag begutachten und verarzten: 42 - ich habe nachgezählt - 42 Mückenstiche werden mich noch eine Weile an die gestrige Nacht am See erinnern. Die Zahl 42 soll laut Douglas Adams ("Per Anhalter durch die Galaxis") die Antwort auf alle Fragen sein?! Pffft - diese Antwort juckt wie Sau!!!

Kein Mitleid bitte - der Weltfrieden ist viel wichtiger. Fast so wichtig wie die Frage, woher wir Menschen überhaupt kommen und wohin wir demnächst gehen. Aufgrund des fortschreitenden Klimawandels gehen wahrscheinlich viele von uns in absehbarer Zeit ein. Das lässt sich auch nicht mehr verhindern. Die meisten Menschen nehmen sich sowieso ein Beispiel am Kapital: "Nach uns die Sintflut!" Bevor wir alle sterben, werfen wir einen Blick zurück in die Zukunft. Ich habe mir vor zwölf Jahren bereits Gedanken zum Thema gemacht.

Meine Kurzgeschichte "Kupfermond" landete bei einem Literatur-Wettbewerb 2006 auf einem vorderen Platz, wurde im Schreiblust-Verlag veröffentlicht und basiert auf einer wahren Geschichte. Welche das ist, kann ich nicht verraten, ohne zu spoilern. Einige der von mir beschriebenen, fiktiven Details entpuppten sich nach 2006 als wahr und wurden erst nach Veröffentlichung dieser Story wissenschaftlich bewiesen. Also funktionierte mein 7. Sinn auch damals schon. Viel Spaß beim Lesen und Rätseln! 





Kupfermond - ein prähistorischer Rätselkrimi



Goran rang nach Luft. Aufgewirbelte Eiskristalle stachen ihm ins Gesicht, jeder Atemzug schmerzte. Er verfluchte seinen hastigen Aufbruch und drehte sich nach seinem Verfolger um. In der sternenklaren Nacht konnte er ihn gut erkennen. Ganz unten, am Fuße des Berges lief Ankus, mit kraftvollen Schritten, den Langbogen in der Hand. Er würde ihn einholen, wenn er zu lange verschnaufte. Ankus war jünger, flinker - und wütend, sehr wütend.

Goran trug nur das Steinmesser, einen angefangenen Bogen und das Kupferbeil bei sich, welches er vor vielen Sommern selbst gefertigt hatte. Früher verfehlte er damit auf zweimal zehn Schritt kein Ziel. Jetzt war sein Wurfarm lahm und die Augen sahen nicht mehr scharf. Er war alt, aber längst nicht gebrechlich wie die Greise, die nahe bei der Höhle hausten und auf Almosen der Sippe angewiesen waren. Mehr als viermal so viele Winter, wie sich Finger an seinen Händen befinden, hatte Goran erlebt. Nun wurde er von dem Mann gejagt, den er wie sein eigen Fleisch und Blut aufgenommen und ihm das kostbare Handwerk ihrer Vorväter beigebracht hatte! Tränen der Wut schossen Goran in die Augen. Schnell wischte er mit den Fäustlingen über sein Gesicht. Eisklümpchen klebten in Wimpern, Brauen und Bart.

Mühsam stapfte er weiter. Die Schnürung des rechten Fußlappens löste sich, er spürte, wie der Schnee durch die Naht der hirschledernen Sohle drang und das Strohfutter durchnässte. Seine Zehen wurden taub. Wenn er es bis zum Gipfel schaffte, war er in Sicherheit. Der geflochtene Umhang aus Seidelbast und Baumrinde, den er über der Ziegenfelljacke trug, könnte ihm als Schneerutsche dienen. Damit würde er entkommen. Ein solches Kleidungsstück besaß Ankus nicht. Aber bis zum Gipfel war es noch weit und Goran wusste nicht, was ihn dahinter erwartete. Die Luft war grausam kalt, die große Mondscheibe schien rot am Nachthimmel und ließ den Schnee kupfern glitzern.

Die Farbe des Mondes verhieß nichts Gutes ...


Hier geht die Story weiter - Kupfermond


Träumt schön!

Traumzauberhafte Grüße, Claudia


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