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Montag, 29. August 2016

Als der Hund ins Wasser fiel - Theater-Groteske im Radio

Zeitnot, Stress und Burnout - Edition Caput II - Adakia-Verlag

Sein eigenes Werk im Radio zu hören, fühlt sich verdammt gut an! Im Archiv zum Nachhören wird die Sendung demnächst im österreichischen Campus-Radio hinterlegt (aktueller Link wird noch eingefügt). Meine Theater-Groteske "Als der Hund ins Wasser fiel" möchte ich euch weiter unten zum direkten Nachlesen aufs Auge drücken. Außerdem ist der amüsante Text im Buch "Caput II" vom Adakia-Verlag als Siegergeschichte abgedruckt und wurde zudem bereits kurz nach Erscheinen vom MDR Kulturradio vorgestellt.




Ein bunter Reigen Literatur


Der Sendetermin war der 27.8.2016 von 12:00 bis 13:00 Uhr im Campus und Cityradio 94,4 St. Pölten. Vor ein paar Monaten kam dort bereits meine bitterböse Story "Violett" an die Reihe, die im Sackritter-Post nachzulesen ist. Diesmal wurden nachfolgende Geschichten von den talentierten Sprechern vorgetragen. Vielen Dank an Tommi Horwath für die Auswahl.

„Das Trüffelschwein auf Gottes dunklen Pfaden“ von Stefan M. Fischer
„Delictum - Die Welt in mir“ von Ragnar
„Als der Hund ins Wasser fiel“ von Claudia Göpel
„Der Rosarote Honig - Türkischer Honig“ von Adi Mira Michaels
„Die Erben des Deserteurs“ von Jaqueline Spieweg
„Tommy - Land der heimatlosen Herzen“ von Nico Felden


Literatur zum Zuhören







Echt hörenswert - für den Sprecher war die Geschichte eine Herausforderung. ;)
Klick auf den Link:

Die Literaturwerkstatt - Lesung mit Musik

(ab Minute 12)



Literatur zum Selbstlesen



Als der Hund ins Wasser fiel - ein maritimes Drama 

Groteske in drei Szenen und einem Epilog
mit drei Hauptpersonen, vier Nebenfiguren, zwei Hunden und einem Fisch


Handlungs-Orte:




Korpus Deliktus - ein recht großes Schifferboot mit zwei Passagierkabinen, Salon, Sonnendeck, Whirlpool und Katzenklo. Kapitänsbrücke mit Steuerrad gibt es natürlich auch.

Mittleres Meer - mitten in der Mitte (später am Rand), Wetter ist gut, mäßiger Wellengang



Hauptpersonen: 

 

Franz Schletterin - 50 Jahre alt, Kapitän der "Korpus Deliktus" mit italienischen Wurzeln (Vater Italiener, Mutter Tschechin)

Hält sich für unwiderstehlich, brillant und weltoffen. In Wirklichkeit ist er eitel, schleimig und arrogant, hat einen Wohlstandsbauch und lichtes Haar mit einem Stich ins Graue. Er kennt sich lediglich im Mittleren Meer aus, hat aber immerhin sein Schiff recht gut im Griff. Als Fischer ist Schletterin allerdings kläglich gescheitert, weil er einen Kugelfisch nicht von einem Plattfisch unterscheiden kann und ernsthaft die Meinung vertritt, einen Schwertfisch könne man als Säge verwenden. Er sieht seine Ehefrau und seine drei Kinder (von denen er die Namen vergessen hat) zweimal im Jahr - und zwar zu seinem Geburtstag und zu Weihnachten (um die Geschenke abzuholen oder abzuliefern). Den Rest des Jahres schippert er an den Küsten des Mittleren Meeres entlang, erzählt zahlungskräftigen Touristen Seemannsgarn, setzt sie gern für zwei Tage (nur mit einem Proviantbeutel und einer Packung Zahnstocher ausgestattet) an unbewohnten Küstenabschnitten ab und erhebt dann einen Aufschlag für "außerplanmäßigen Abenteuerurlaub". Trinkt gern Absinth mit Meerwasser und wundert sich, wieso das Trend-Gesöff anders schmeckt als an Land, schluckt es aber in großen Mengen tapfer runter. Nichtraucher (Rauchen schadet dem Teint). 


Lotte Lurch - 26 Jahre, Kapitänshure (Nationalität ungeklärt) 

Saugt gern an italienischen Wurzeln und tanzt seit ihrem sechzehnten Lebensjahr nackt in einem Nachtclub in Bautzen (ehemalige DDR), bis sie die Nase voll hat und per Anhalter gen Süden trampt (nur mit Glitzerkostüm und HighHeels bekleidet - aber das ist eine andere Geschichte). Lotte und der Kapitän sind seit drei Monaten liiert, nachdem er sie sturzbetrunken am Hafen aufgabelt und für zauberhaft befindet. Schletterin ist mit der Situation hochzufrieden, sie nicht. Denn die Enge des Schiffes gefällt ihr nicht, außerdem ist die Pooldance-Stange im Salon zu kurz bzw. die Decke zu niedrig, so dass sie sich beim Tanzen regelmäßig die große linke Zehe stößt (Geburtsfehler, doppelt so lang wie die rechte Zehe). Außerdem riecht das bootseigene Parfüm (von Schletterin persönlich kreiert) nach Fisch. Sie hat blonde lange Haare, sonnengebräunte Haut, grüne Augen und eine Figur zum Niederknien - Oberweite Doppelplus, durchschnittlicher IQ ("Sei schlau, stell dich dumm"). Vater unbekannt, Mutter unbekannt, Großmutter unbekannt - Lotte wurde als Baby auf den Stufen des ehemaligen Intershops in Bautzen ausgesetzt. Daher kommen der angeborene Hang zu Luxus, teuren Klamotten, Parfüm und Westgeld (jetzt Euro). Lotte ist sexsüchtig, trinkt gern Champagner aus Eimern und raucht Zigaretten elegant mit Spitze (Sorte egal).


Matti Madsen - um die 30 Jahre alt, Steuermann (taubstummer Einwanderer aus Nigeria, Geburtsjahr unbekannt) 


Seine Eltern tun hier nichts zur Sache, die holt er später nach, wenn er genug Heuer gespart hat. Matti heißt eigentlich Mrigangkantamagti Mads und ist ganz gut in seinem Fach, wenn er verstehen würde, was der Kapitän von ihm will. Meist verständigen sich die beiden ohne Worte. Geht schließlich nicht anders, denn Matti kann auch nicht schreiben, dafür prima zeichnen. In Wahrheit ist Matti gar nicht taubstumm. Er schämt sich nur, weil er außer Adamaua-Fulfulde keine andere Sprache beherrscht. Adamaua-Fulfulde ist ein Dialekt der Region am Blauen Nil, wo Matti Madsen aufwächst und Schiffsnavigation lernt - zwar nur auf einem Einbaum, aber Boot ist Boot. Auf Schletterins Schiff kommt er per Zufall. An die genauen Umstände kann sich niemand mehr erinnern. Schletterin war betrunken, Matti war nass. Es ist anzunehmen, dass er von einem Flüchtlingsboot gefallen ist. Aber so genau will das keiner der beiden bestätigen. Matti ist ein ebenholzschwarzes Bild von einem Mann und heimlich in Lotte verliebt. Er trinkt nur Saftschorle aus Litschifrüchten und raucht gern komisches Zeug, das bunte Bilder erzeugt und Spaß macht.


Nebenpersonen:



Lord Hanson - 55 Jahre alt, schwergewichtiger britischer Koch (klein, aber oho) 

Lord kann nur Fish&Chips, liebt aber Schwarzwälder Kirschtorte. Er lässt sich zwar von jedem Passagier ein neues Rezept erklären, bringt aber im Endeffekt alles durcheinander. Dafür kann er prima Cocktails mixen, Gläser polieren sowie Tee und Plum-Pudding kochen. Außerdem verfügt er über ein Talent am Delegieren, mit dem Ergebnis, dass fast alle seine Menüs von den Passagieren selbst gekocht werden und er sich nur noch um den Abwasch kümmern muss. Lord trinkt gern Tee mit Schattenmorellenlikör, raucht am Abend Pfeife und ist schwul. Er hat ein Auge auf Matti geworfen.


Alfred Berlin - 70 Jahre alt, rüstiger Passagier aus Hamburg (Pensionär, ehemaliger Regierungsbeamter)

Alfred ist sportlich aktiv, schwimmt gern, praktiziert Zielsportangeln (auf dem Rasen) und geht regelmäßig mit dem Hund Gassi. Weitere Hobbys hat er nicht, seitdem seine Frau das Briefmarkenalbum aus Versehen im Kamin verfeuert hat. Alfred ist nicht wirklich reich, aber auch nicht arm. Er bekommt regelmäßig einen Batzen Schmiergeld von einer Firma aus Ostdeutschland, die irgendwie verschlafen hat, dass er gar nicht mehr im Amt ist. Davon hat er die Reise bezahlt, denn seine Frau wollte schon immer mal eine Kreuzfahrt machen. Er ist Viagra abhängig, trinkt gern Gosebier aus Sachsen und raucht Havanna Zigarren.


Hanna Berlin - 63 Jahre alt, gut gehaltene Ehegattin von Alfred (Schmuckdesignerin, ehemalige Hausfrau) 

Seit dem die Kinder das Haus verlassen haben, sucht sie nach dem Inhalt des Lebens. Gefunden hat sie diesen schließlich beim Basteln von Schmuckanhängern, die sie weit unter Materialwert auf DaWanda verhökert und gern in Massen selbst an sich trägt. Ihre bevorzugten Motive sind Pudel-Doggen-Mischlinge, Herzen und Fische. Mit der Kreuzfahrt auf dem Mittleren Meer wird sie von ihrem Mann zum Hochzeitstag überrascht. Anlässlich dieser freudigen Eröffnung küsst sie ihren Mann das erste Mal seit zehn Jahren auf den Mund. Hanna ist kaffeesüchtig, hat jedoch noch niemals geraucht (nicht mal probiert).


Schätzchen - 5 Jahre alt, weiblich - Mischung aus Dogge und Pudel  

Schätzchen ist der ganze Stolz des Ehepaares Berlin, aber eigentlich ein genetischer Unfall. Ihre Mutter ist eine schwarz-weiß gescheckte Deutsche Dogge aus Thüringen mit Stammbaum (Rassezucht vom Schloss Osterstein), ihr Vater ein Harlekin-Zwergpudel ohne Papiere. Es wird vermutet, dass der Pudel zum Begatten hochgehoben wurde - nur so zum Spaß. Die Hündin hat ein sanftes Wesen, ein tollpatschiges Gemüt und ist nur begrenzt stubenrein, was aufgrund ihrer Größe gelegentlich zum Problem wird (vor allem mengenmäßig). 


Idefix - 6 Jahre alt, männlich - reinrassiger Bootshund mit Papieren (Yorkshire) 

Idefix ist ein echter Wasserhund und lebt, seit er denken kann, auf dem Schiff von Schletterin. Idefix war eigentlich ein Weihnachtsgeschenk für Schletterins Kinder, hat sich aber als blinder Passagier im Seesack des Kapitäns aufs Schiff geschmuggelt und seitdem keine Pfote mehr an Land gesetzt. Er guckt gern fern und ist sauer auf Bo (den Hund von Barack Obama), weil der behauptet, der einzige Wasserhund mit Stammbaum zu sein. Seit Schätzchen an Bord ist, erfährt Idefix, was Liebe bedeutet.


Fischersfru - 17 Jahre alt, erfahrener, männlicher Schwertfisch aus dem Mittleren Meer, dem ein Zacken fehlt, weil Schletterin in früheren Jahren ... aber das wissen wir ja schon. Fischersfru ist ein kluger Fisch. Sein IQ ähnelt dem von Lotte. 



Ein Matrose - wechselt bei jedem Landgang, deshalb spielen Name und Alter überhaupt keine Rolle. Sollte der Matrose jemals etwas anderes tun, als das, was Matrosen auf mittleren Schiffsbooten eben so tun, dann nennen wir ihn der Einfachheit halber Tom. 


Handlung - Story - Kurzfassung



Anfangszene


Mittleres Meer, gemäßigter Wellengang, Sonnenschein. Das Ehepaar Berlin liegt dösend auf dem Sonnendeck, Alfred schlürft an einem fast schalen Gosebier, die Hand fest in den Schritt gepresst, Hanna kippt den sechsten Espresso auf Ex, während aus dem Lautsprecher Schlager von Wendler plärren. Lotte übt derweil im Salon den doppelten Rittberger an der Stange, Schletterin guckt zu. Matti hat das Steuer fest im Griff, übt stimmlos singen und saugt durch einen Strohhalm Litschiwasser. Lord brät seinen vierten Versuch Fritten und flucht. Schätzchen kackt neben das Katzenklo auf das frisch geschrubbte Deck und Idefix bewundert den betörenden Duft der monströsen Exkremente, die so groß sind wie er selbst. Tom, der Matrose macht, was Matrosen eben so machen. Nachdem er fertig ist, versteckt er sich im Whirlpool. Aber dann ...


... uuuuuund - Action!!!


Mit einem ohrenbetäubenden Knall klatscht Fischersfru aufs Deck, haarscharf neben Schätzchens Haufen. Er wollte mal wieder nach dem Rechten sehen, windet sich in alle Richtungen und verspritzt schleimigen Schleim. Hanna verschluckt sich an ihrem Kaffeesatz, Alfred klemmt seine Hand im Reißverschluss ein und bekommt sie nicht mehr aus der Hose. Lord überlässt die fünfte Version Fritten im ranzigen Frittierfett sich selbst und rennt aufs Deck (soweit seine Massen schnelle Bewegungen zulassen). Matti reißt vor Schreck das Steuer herum, kommt der Küste gefährlich nahe, schafft es aber dennoch, den Kurs zu halten. Lotte fällt von der Stange kopfüber in den Eimer mit französischem Schampus. Schletterin kann sie gerade noch rechtzeitig an ihrer Oberweite wieder herausziehen, was Lotte mit einem Sekunden-Quickie belohnt. Schätzchen starrt wie hypnotisiert Fischersfru an, hat ein solches Ereignis noch nie in ihrem Leben erlebt und legt sich ehrfurchtsvoll flach auf den Boden. Idefix nutzt die unerwartete Chance und steigt auf. Tom aalt sich im Whirlpool und bekommt von alldem nichts mit.


Unerwartet rasante Schlussszene


Fischersfru hat genug gesehen. Der Schwertfisch rammt sein Schwert in die Planken und schwingt sich mit der Eleganz eines Bodenturners rücklings und einmal um sich selbst drehend über die Reeling zurück ins Meer. Dem Ehepaar Berlin stehen Augen und Münder offen, wenn auch aus unterschiedlichen Beweggründen. Alfred gelingt mit der freien Hand ein Schnappschuss mit seiner Nikon, Hanna schnappt nach Luft und läuft blau an. Lord rutscht auf der Schleimspur des Schwertfischs aus und knallt auf den Rücken, genau in dem Moment, als Lotte und Schletterin Hand in Hand das Deck betreten. Matti sieht das, kocht vor Wut und lenkt die "Korpus Deliktus" zielsicher aus Versehen auf ein Riff. Schätzchen springt auf, Idefix fliegt (den Glücksbringer noch zur vollen Länge ausgefahren) in weitem Bogen Richtung Reeling. Tom bekommt von alldem nichts mit.


Epilog


Ein Passagier ringt mit dem Tod, ein Tier ist verschollen, ein Besatzungsmitglied wird nie wieder voll arbeiten können und ein Schiff senkt sich bedrohlich seitwärts. Tja…


-Ende- 

Text: Claudia Goepel


Damit ihr es besser machen könnt, empfehle ich euch diesen interessanten Beitrag:
Wie man ein gutes Hundereferat hält
Und weil ich grad beim Drauflos-Empfehlen sind, stöbert doch einfach mal auf der Hauptseite - und zwar, wenn ihr für euren Hund eine Hundehütte kaufen oder selbst bauen wollt - egal ob im Garten, im Hof oder auf einem Schiff. ;)



Träumt schön. 

Traumzauberhafte Grüße, Claudia









Kommentare:

  1. Deine Geschichte gefällt mir sehr, sehr gut! Toller Erfolg, sein Werk im Radio zu hören ...
    LG Sabienes

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    1. Dankeschön, den Text habe ich ursprünglich als Mitmach-Theater konzipiert - sozusagen als aktive Lesung. Bin nur noch nicht zu einer Aufführung gekommen. ;)

      Liebe Grüße, Claudia

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