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Montag, 26. Januar 2015

Stahlbalkone an Wolkenkratzern - Klarträume als Sucht?

Gasse in Naumburg

Wer viel und gern träumt, kennt dieses euphorische Gefühl nach dem Aufwachen: Der Traum war toll und aufregend, man möchte unbedingt jemandem davon erzählen. "Schatz, ich habe etwas ganz Verrücktes geträumt." Partnerin oder Partner sind ganz gespannt und erwarten eine kuriose Traumgeschichte. Doch was kommt - NICHTS! Es ist alles weg. Ein paar Traumfetzen vermag man noch mit den Synapsenspitzen zu halten, bevor auch diese wie zarter Nebel verflattern und nicht mehr auf- und abgerufen werden können. Nie wieder. Egal, wie man sich anstrengt. 





Sind Träume also doch nur Schäume?


Ja. Das ist aber nicht weiter schlimm. Träume sind privates Kopfkino, individuelle Filmnächte - nicht immer müssen andere davon erfahren. Wenn das Gefühl nach dem Aufwachen gut ist, wenn ihr euch gut fühlt, dann nehmt diese positive Energie mit in den Tag und zehrt davon. Nicht jeder vermeintliche Klartraum muss für die Nachwelt notiert werden. Nicht jede Traumsequenz ist eine innere Offenbahrung und muss analysiert werden.

Klarträumer, die neben dem Bett Zettel und Stift liegen haben, um jeden Traumschnipsel zu zementieren, neigen dazu, eine Erwartungshaltung gegenüber sich selbst aufzubauen. "Ich muss etwas träumen, um es aufzuschreiben." Nein, müsst ihr nicht! Es ist auch kein Makel, wenn jemand tief und traumlos schläft und nur selten träumt. Das ist eigentlich beneidenswert. Diese Menschen haben möglicherweise keine nennenswerten Alltagsprobleme, mit denen sich ihr Gehirn im Schlaf beschäftigen muss.



Wenn luzide Träume zur Sucht werden


Inzwischen gibt es Traumseminare, Traumpsychologen und selbsternannte Traumbegleiter, die anderen Menschen helfen wollen, sich selbst durch ihre Träume zu erfahren - gegen einen saftigen Obolus. Für diese Esoterik-Schiene sind viele Menschen empfänglich. Natürlich lässt sich die Fähigkeit zum Klarträumen erlernen. Die Vorstellung, seine Traumerlebnisse kontrollieren und steuern zu können, ist faszinierend -  Klarträume haben durchaus ein gewisses Suchtpotential. Normalerweise hat ein Klarträumer maximal einmal im Monat einen Traum, an den er sich in allen Details erinnern kann und der sich auch nach Lust und Laune in Fortsetzungen träumen lässt. Wer dieses Erlebnis öfter genießen möchte, muss seine Traumfähigkeit trainieren. Geübte Klarträumer träumen jede Nacht und können sich einen Schlaf ohne projizierte Traumgespinste nicht mehr vorstellen. Verschiedene Methoden werden von Traumexperten zum Üben empfohlen:

  • vor dem Einschlafen vornehmen, zu träumen
  • Zettel und Stift auf den Nachtschrank legen
  • bewusst die Schlafhaltung der Aufwachphase einnehmen
  • sich ein Traumbild aus einem vergangenen Traum vorstellen
  • an etwas Schönes denken, das man gern erleben möchte 
  • sich aufs Träumen freuen
  • Mittagsschlaf machen

Ja, gut. Aber wenn ich mir vorstelle, im Halbschlaf Notizen machen zu müssen, um mich nach dem Aufwachen an meinen Traum zu erinnern, dann vermute ich, dass diese Methode nicht ganz gesund sein kann. Außerdem könnte ich mein im Dunkeln hingekitzeltes Geschmiere sicherlich ohnehin nicht mehr entziffern. Entweder ich erinnere mich an einen Traum oder eben nicht. Ich will außerdem nicht, dass mein Hirn "denkt", es müsse Träume produzieren, um mich zufriedenzustellen. Das käme für mich einer Sucht gleich.

Ich möchte auch nicht über mein Denken nachdenken. So lautet nämlich die aktuelle Erkenntnis der Traumforscher des Max-Planck-Instituts, die in den letzten Monaten freiwillige Probanten verkabelt haben, um deren Hirnströme während der luziden Traumphasen auswerten zu können. Es gab sogar eine Aufwandsentschädigung dafür sowie einen Extra-Bonus für Versuchspersonen, die es tatsächlich schafften, unter Laborbedingungen kontrolliert und klar zu träumen. Geld verdienen im Schlaf. Mist, wieso habe ich nicht eher davon erfahren?!

„Das Ergebnis unserer Studie lässt vermuten, dass Menschen, die ihre Träume kontrollieren können, auch in ihrem Alltag besonders gut über ihr eigenes Denken nachdenken können.“

Stahlbalkone an Wolkenkratzern


Aha. Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen auf die weiteren bahnbrechenden Vermutungen der Wissenschaftler. Letzte Nacht hatte ich übrigens einen solchen verrückten Traum, der sich nach dem Aufwachen in Luft auflöste und den ich nur wie folgt wiedergeben konnte:
An einem Wolkenkratzer befanden sich Balkone aus Stahlgitter, die durch Leitern miteinander verbunden waren und durch die man von oben bis unten durchgucken konnte. Wer seinen Schlüssel vergessen hatte, konnte außen an der Fassade über die Balkone in seine Wohnung gelangen. Fertig. Der perfekte Klartraum für Leute mit Höhenangst.

Clownine Kunst
Viel ergiebiger war der anschließende Sonntag. Ich beglückte nämlich als Klinikclown in den Kinderkliniken Naumburg und Zeitz zahlreiche kranke Kinder mit Clownerie, Zaubereien und Luftballonfiguren und hatte zwischendrin sogar noch Zeit für einen Bummel durch die traumhafte Naumburger Altstadt. Mein Freund begleitete mich dabei und machte unter anderem obiges Foto.

Während momentan im nächtlichen Hintergrund unser Fernsehgerät den Kultfilm "Johnny Handsome" zeigt, komme ich zu der Erkenntnis, dass das reale Leben eigentlich gar nicht so schlecht ist. Trotzdem bin ich gespannt, ob und was ich diese Nacht wohl träume. Denn diesen Spaß lasse ich mir von keinem Wissenschaftler nehmen oder zerpflücken. ;)


Träumt schön!

Traumzauberhafte Grüße, Claudia





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